Praxis fĂŒr Allgemeinmedizin

Nikolai U. Aldag

Hyperthermie

Hyperthermie

 

Die Hyperthermie, die ÜberwĂ€rmung von Tumorzellen, ist eine wirksame und sinnvolle Erweiterung der Krebstherapie. Positive Behandlungsergebnisse von Chemo- und Strahlentherapie lassen sich verstĂ€rken.

 

Auch in Kombination mit einer Immuntherapie lassen sich gute Ergebnisse erzielen.

 

In unserer Praxis fĂŒhren wir drei Arten von Hyperthermie durch:

  • Regionale Tiefenhyperthermie: ErwĂ€rmung örtlich begrenzter Tumoren oder Metastasen auf 42–45 °C
  • Passive Ganzkörperhyperthermie: moderat als Fiebertherapie bis 39,5 °C
  • Aktive Ganzkörperhyperthermie: aktive Fiebertherapie
Regionale Tiefenhyperthermie

Regionale Tiefenhyperthermie

 

Die DurchfĂŒhrung der lokalen Tiefenhyperthermie im Zusammenhang mit Strahlen- oder Chemotherapie kann die Heilungschancen bei Krebserkrankungen deutlich erhöhen – ohne ein nennenswertes zusĂ€tzliches Behandlungsrisiko. Unsere Erfahrungen mit ĂŒber 2.000 Behandlungen sowie die mittlerweile tausendfache DurchfĂŒhrung im nationalen und internationalen Wissenschaftsbereich bestĂ€tigen die gute VertrĂ€glichkeit dieser Therapiemethode. 

 

Die lokale Hyperthermie bringt keine weitere Belastung fĂŒr den Körper – im Gegenteil: Sie schĂŒtzt die Haut sogar gegen schĂ€digende Nebenwirkungen der Strahlentherapie.

Passive Ganzhörperhyperthermie

 

In unserer Praxis fĂŒhren wir seit Jahren die passive oder auch moderate Ganzkörperhyperthermie durch.

 

Bei der moderaten Ganzkörperhyperthermie entstehen Temperaturen bis zu 39,8 °C im Körperkern. In der Sauna etwa erhitzt sich nur die Ă€ußere Haut, aber nicht der gesamte Körper wie beim Fieber.

 

Über die heilsame Wirkung des Fiebers schrieb der griechische Arzt und Philosoph Parmenidis (584–540 vor Christus): „Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile euch alle Krankheiten.“ Dies ist sicher eine starke Übertreibung, die der Kollege vor 2500 Jahren wohl in der Begeisterung ĂŒber eine erfolgreiche Heilung geĂ€ußert haben wird. Heute wissen wir einiges ĂŒber die Wirkung des Fiebers. Aus Studien ĂŒber Spontanheilungen bei Krebspatienten ist bekannt, dass den ĂŒberraschenden Heilungen in den meisten FĂ€llen ein Fieberschub vorausgegangen war. Ferner ist bekannt, dass von Krebs betroffene Menschen in den letzten zehn Jahren vor dem Auftreten ihrer Karzinomerkrankung oft kein Fieber hatten. 

 

Wenn wir als Kind Fieber hatten, ließen unsere Eltern dieses bis etwa 39,5 °C steigen, weil sie aus der Tradition wussten, dass Fieber bis zu dieser Höhe eine heilsame Wirkung hat. Diese Erkenntnis gehört heute zum wissenschaftlichen Grundwissen: Helferzellen und Killerzellen aus der ThymusdrĂŒse werden aktiviert und können Krebszellen direkt zerstören. Durch die WĂ€rme demaskieren sich die Tumorzellen und werden fĂŒr das Immunsystem erkennbar. Andere fĂŒr die Abwehr wichtige Stoffe wie Interferone und Selbstzerstörungsmechanismen in den Krebszellen (Apoptose-Gene) werden aktiviert.

Passive Ganzhörperhyperthermie

Aktive Ganzkörperhyperthermie

 

Hierbei werden in einer Infusion sogenannte Bakterientoxine gegeben. Dieses sind abgetötete Bakterienbestandteile (nach Coley sogenannte Pyrogene). Etwa eine Stunde nach Verabreichung kommt es dann unter intensiver medizinischer Betreuung zu einem mehrstĂŒndigen Fieberschub.


Die ColeyÂŽsche Fiebertherapie war der Beginn der modernen Tumorimmunologie. HierĂŒber lernte man die Wirkungsweise der natĂŒrlichen Krebsabwehr des Menschen nĂ€her kennen. U. a. werden krebsabwehrende Killer-, Helfer- und zytotoxische Zellen der ThymusdrĂŒse aktiviert. Beim Fieber entstehen sogenannte Hitzeschockproteine, die das krebsabwehrende Immunsystem unseres Körpers aktivieren. Dadurch wird die Apoptose angeregt, also die FĂ€higkeit einer kranken Zelle, sich selber zu zerstören = Spontanheilung).


Zur Geschichte: William B. Coley war ein erfolgreicher junger Chirurg in New York am Ende des 19.Jahrhunderts. Er hatte mit vielen Krebspatienten zu tun und fand heraus, dass es nach bestimmten hochfieberhaften Infektionen immer wieder zu kompletten Spontanheilungen der bösartigen Tumoren kam. ZunÀchst gab Coley seinen Patienten lebende Bakterien mit all den Risiken einer gefÀhrlichen Infektion zu einer Zeit, als es noch kein Penicillin gab. Dann fand er heraus, dass er mit abgetöteten Bakterienbestandteilen (von Streptokokkus pyogenes und Serratia marcescens) Fieber mit dem gleichen Ergebnis erzeugen konnte, ohne gefÀhrliche Infektionen zu setzen. Coley und seine Nachfolger behandelten Tausende von Krebspatienten auf diese Weise, u. a. Sarkome, Hodgkin-Lymphome, Ovarial-, Zervix-, Uteruskarzinome, Mamma- und Nierenzellkarzinome, kolorektale Karzinome, Hodenkrebs und Melanome ebenso multiple Myelome.

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